Profil Christof Schläger
Biographie
Instrumentenbau
Klangkomposition

 

Klangkomposition

Schlägers Kompositionen zeichnen sich vordergründig durch eine prägnant perkussive Note aus. Sie unterstützt die technische Anmutung des Klangs, zitiert Maschinenrhythmen, geht jedoch weit darüber hinaus. Seinen Ursprung hat diese Geste in der minimal music, zu der der Künstler ebenfalls große Affinität verspürt. Repetitionsstrukturen beherrschen dort die Musik. Sie werden exponiert und meist schnittartig gereiht. Manchmal erzeugen kleine Variationen in ihrem Innern kleinere Veränderungen, die zu neuen Kombinationen und Abläufen führen. Vieles davon erinnert auch an Gestaltungsprinzipien von Musikstilen wie HipHop oder Techno, wo einzelne Klangelemente gereiht und geschichtet werden und sich daraus mehr oder weniger komplexe, rhythmisch verschränkte Klangarchitekturen ergeben.



Christof Schläger verwendet zu Generierung solch komplexer Reihungen und Schichtungen grafische Modelle. Zum Beispiel zeichnete er eine Serie unterschiedlich großer Walzen, die mit Mustern bemalt sind und sich gegeneinander drehen. Dabei kehren die Muster immer wieder, jedoch in stets neuen Kombinationen. Andere Zeichnungen zeigen unterschiedlich große, mit Symbolen versehene Zahnräder. Sie greifen in verschiedenen Anordnungen ineinander und erzeugen ebenfalls komplexe, sich stets verändernde Strukturen der Symbole. Noch diffiziler wurde es 2007, als Schläger begann, mit Schiffshörnern in Außenräumen zu arbeiten und mit ihnen Quadratkilometer große Landschafts-Areale zu bespielen. Schläger platziert mehrere Schiffshorn-Gruppen weit auseinander oder kombiniert feste Standorte mit beweglichen Positionen auf Zügen oder Schiffen. Wegen der geringen Schallgeschwindigkeit von 343,46 Meter pro Sekunde bei 20° Celsius in normaler Luft kommt so die Zeit ins Spiel. Es vergehen eine halbe, eine oder zwei Sekunden, bis der Schall einer Schiffshorn-Gruppe den Zuhörer erreicht, wohingegen die Töne anderer Gruppen früher ankommen. An verschiedenen Orten des Aufführungs-Areals vermischen sich somit die Tonfolgen der Schiffshorngruppen auf verschiedene Weise, und welche Ton- und Klangkombinationen zu hören sind, hängt vom Standpunkt des Hörers ab. Außerdem bricht sich der Schall auch an Landschaftsmarken, an hohen Gebäuden etwa, und erreicht von diesen reflektiert den Hörer. Nicht nur die Klangquellen, die der Künstler im Landschaftsraum postiert, tragen zum entstehenden Stück bei, sondern auch Elemente des Raum selbst. Diese Musik hat eine dreidimensionale Anmutung, allein schon durch die Tatsache, dass die Klänge den Hörer aus sehr verschiedenen Richtungen erreichen. Die fein verwobene Klangarchitektur, die in den Außenräumen entsteht, wölbt sich als akustisches Ambiente über die Landschaft und korrespondiert mit den dort üblicherweise klingenden Geräuschen. Denn diese können ja nicht ausgeschaltet werden, sondern gehören integrativ zur Landschaft.

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Urbane Rituale,
Der Klangkünstler Christof Schläger


Verlag Hanno Ehrler

 

Christof Schläger - Klang - Kunst - Komposition