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KÜNSTLER
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katalog 'Urbane Rituale, Der Klangkünstler Christof Schläger'
V. Skulptur

Durch die dreidimensionale Struktur der Klanginstallationen hat Christof Schlägers Musik auch eine skulpturale Komponente. So wie man um eine Skulptur herumgehen und sie von verschiedenen Seiten betrachten kann, so erlaubt auch Christof Schlägers Musik ein Hören von unterschiedlichen Seiten beziehungsweise Standorten. Darüber hinaus ist das Optische eine wichtige Fassette von Schlägers Klangmaschinen. Zwar stellt der Künstler den Klangaspekt seiner Maschinen in den Vordergrund, doch sind sie genauso Skulpturen, deren optische Erscheinung einen Wert an sich besitzt. Und obwohl Schläger sich hauptsächlich an der Zweckmäßigkeit der Geräte in Bezug auf den Klang orientiert, hat er stets ein Auge auf die optische Wirkung seiner Kreationen. Schon eine der frühesten Maschinen, „Federine", lässt das unmittelbar erkennen. Die tragende Konstruktion des Geräts ist eine steile Pyramide und damit ein klassisches Motiv architektonischer Ikonografie. Geradezu liebevoll montierte Schläger metallene Federn, Drähte und Stäbe an die Pyramide. Dabei entstand eine sogar an menschliche For- men gemahnende Skulptur, deren optischer Aspekt dem klanglichen nicht nachsteht.


Klanginstrumente v.l.n.r.: Federine, Flatterbaum und Standzeit

Diese Klangmaschine fußt auch in Bezug aufs Optische auf der Technik. Aber ähnlich wie beim Klanglichen bildet das Technische lediglich eine Basis, auf der andere Ebenen sichtbar werden. An der „Federine“ offenbaren sich ganz untechnische Merkmale der Arbeit von Christof Schläger: sie ist detailverliebt, verspielt und mit einer Spur Humor entworfen. Ein ähnliches Beispiel ist der „Brauser". Auf übermannshohen Stäben sind Motoren befestigt, die Plastikfolien tragen. Wenn sie sich drehen, erzeugen diese Folien sanft pfeifende und sausende Geräusche. Mehrere dieser Stäbe stehen zusammen. Dadurch ergibt sich eine baumähnliche skulpturale Form, die wie die Elemente der „Federine“ einen Hang des Künstlers zu filigranen und fragilen Strukturen entäußert.


Klanginstrumente v.l.n.r.: Klapperrappel, Knackdosen und Telewald

Christof Schläger referiert dabei auf verschiedene ästhetische Signaturen, auf Bilder, Formen und Gestalten, die ihren Ursprung in modernen Kunstrichtungen haben. Die technische Affinität seiner Klangmaschinen schafft Referenzen zum Futurismus mit seiner Technikverherrlichung und zum Kubismus mit seinen kantigen, ineinander verkeilten Formen. Auch lassen Schlägers Konstruktionen eine Nähe zu den Plastiken von Alexander Calder und Yves Tinguely spüren. Ähnlich wie Calder gestaltet Christof Schläger seine Skulpturen mit klaren geometrischen Formen, die jedoch häufig kurvig gebrochen erscheinen und durch ihre Bewegungen und ihr Erzittern beim Spiel einer technizistischen Geometrie entfliehen. Von Tinguely sind farbliche Komponenten der Klangmaschinen inspiriert. Sie bilden zwar ein dezentes Element, das gleichwohl nicht unwesentlich das optische Erscheinungsbild prägt.


Klanginstrumente v.l.n.r.: Schellenbaum, Sirenen und Knister

Surrealistische Aspekte finden sich im Zusammenspiel der Formen, besonders, wenn sich der Blick auf Details der Klangmaschinen richtet: auf die Verbindungen und Verschlingungen von kleinen Motoren, zurecht geformten Dübeln, unterschiedlich farbigen Drähten und Kabeln, Kompressorschläuchen sowie Stäben und Halterungen, die manchmal an Insektenbeine gemahnen. Schließlich finden sich auch Anlehnung an das filmische Science-Fiction-Genre mit seinen ausufernden Fantasiegebilden, die Schlägers Objekte noch weiter ihrer technizistischen Bindung entheben und ganz wesentlich zu ihrer enigmatischen Wirkung beitragen.

Quelle: Urbane Rituale, Der Klangkünstler Christof Schläger. Verlag Hanno Ehrler, 2016