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katalog 'Urbane Rituale, Der Klangkünstler Christof Schläger'
II. Rauschen

Tatsächlich formulieren viele Klangkunst-Projekte eine inhaltliche Beziehung zu Umweltgeräuschen, wie der US-amerikanische Klangkünstler Bill Fontana es fordert. Bei Christof Schlägers Arbeiten steht dieser Bezug nicht im Vordergrund, ist aber eine durchaus wesentliche Komponente.

In einer Region wie dem Ruhrgebiet war industrieller Lärm ein akustisches Markenzeichen. Heute, nach dem Niedergang der Industrie, formt sich das akustische Ambiente der Region anders und weniger charakteristisch. Die dichte Besiedlung und das engmaschige Autobahnnetz erzeugen Verkehrsgeräusche, die auch nachts als leises Rauschen permanent zu vernehmen sind. Neben dem industriellen Geräusch ist es vor allem diese eher dem Zivilisationsprozess geschuldete Klangwelt, die Christof Schläger fasziniert und inspiriert. Der Klangkünstler spricht vom nächtlichen Rauschen als etwas Geheimnisvollem, als etwas, das über die scheinbare Schlichtheit des Phänomens weit hinausgeht. Ihn interessieren die Strukturen, die im Rauschen zu entdecken sind, die Variationen verschiedener Rauschklänge und ihre ganz unterschiedliche Farbigkeit. Die Präsenz von Rauschen begründet eine ästhetische Haltung, die elementar für Christof Schlägers Arbeit ist. Rauschen symbolisiert Ungeordnetes, Undurchsichtiges, Vielschichtiges, Prägeformtes, Unsystematisches, Freies, Offenes, Unentscheidbares. Rauschen kann sehr unterschiedlich beschrieben und gedeutet werden, musikalisch, technisch, soziologisch, medizinisch und philosophisch.

Die physikalische Akustik beschreibt Rauschen nach der Verteilung der darin enthaltenen Frequenzen. Das bekannteste ist das sogenannte weiße Rauschen. Es bezeichnet einen Klang, der alle hörbaren Frequenzen in gleicher Intensität aufweist. Weißes Rauschen kommt allerdings in reiner Form nicht vor. In der Natur und auch bei elektrischen Geräten entsteht meistens rosa Rauschen, bei dem viele, aber nicht alle Frequenzen klingen, aber, so definiert es die Physik, bei dem die Energie pro Frequenzdekade gleich verteilt ist.

1827 beobachtete der Botaniker Robert Brown, dass Polfunden und ausgesagt werden können, ohne etwas Belen in Wasser unregelmäßige Bewegungen machen. Sie stimmtes über das hierbei Geschehende sagen zu könwerden von den Wassermolekülen angestoßen, die sich nen.“ je nach Temperatur langsamer oder schneller bewegen. Diese so genannte Brownsche Molekularbewegung kann nur statistisch beschrieben werden. Im Einzelnen ist sie nicht vorhersehbar und kann wegen ihrer Unbestimmtheit als Rauschen bezeichnet werden. Strukturelle Unbestimmtheit, ganz gleich ob es sich um einen akustischen, optischen, physikalischen oder theoretischen Sachverhalt handelt, definiert das Rauschen.

So ist Rauschen auch eine kunstästhetische und philosophische Kategorie. In Bezug auf Kunst interpretiert der Philosoph Martin Seel Rauschen als einen Grenzfall der Wahrnehmung, ein optisches oder akustisches Ereignis, in dem zu differenzieren es ganz unmöglich ist oder dieses schwer fällt.

Quelle: Urbane Rituale, Der Klangkünstler Christof Schläger. Verlag Hanno Ehrler, 2016

 
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